Thanks, but no thanks.

Iam

 

Vorab: Ich weiss, das tut man nicht. Aber ich bin nun mal neugierig. Und wenn mir mein Vordermann im Tram sein Handy quasi entgegenstreckt und ich trotz Sehschwäche seine SMS lesen kann, komme ich nicht umhin. Zugegeben, es war etwas hart, alles zu entziffern und ich gebe auch keine Gewähr, dass sich der Wortlaut genau zu 100% so verhalten hat. Aber folgender Auszug ist ziemlich nah dran:

Jasmin Whatever:

“We could meet again if you are still interested.”

Gutaussehender Typ vor mir:

“Jasmin, don’t get this wrong but I don’t think this will be possible. I’m really busy at the moment. First, I won the lottery and therefore I will move to Mexico soon, install myself in a beachhouse and do some trading. I guess there wont be any room for a date in the meantime…”

Weiter kam ich leider nicht. Aber das brauchte ich auch gar nicht, denn ich habe mir sogleich Jasmin beim Lesen der Nachricht vorgestellt. Die freudige Erwartung, als sie sah, dass er zurückgeschrieben hatte. Erster Unmut nach dem Lesen der aussichtlosen Eröffnungsfloskel. Und dann die harte Wahrheit: Nicht nur, dass der Typ sie offensichtlich verschmäht hatte. Nein, ihr war auch noch ein Millionär durch die Lappen gegangen!

Einzig die Frage bleibt, ob Jasmin die charmante aber klare Abfuhr durchschaute oder sich noch immer über die verpasste Chance grämt.

Und die Moral von der Geschichte? Sei Dir immer bewusst, dass dein Hintermann im Tram Deine SMS mitlesen kann. Und wieso hab ich den Typen eigentlich nicht angesprochen?

 

Gastronomie für Anfänger.

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Bild: http://www.bernerhof-zuerich.ch

 

Ein Drama in drei Akten.

 

Akt 1 – Ignoranz

Auftritt der fünf Freunde. Sie schreiten durch den Vorhang auf die Bar im Rimini-Zelt zu. Und werden ignoriert. Sie versuchen Blickkontakt herzustellen. Der Mann hinter der Theke ignoriert sie weiterhin. Der Mann kommt hinter der Theke hervor. Und geht an den Freunden vorbei. Schweigend.

Der Mann kommt zurück. Einer der Freunde stellt sich dem Mann couragiert in den Weg. Der Mann scheint konsterniert.

Freund 1: “Guten Abend, wir haben eine Reservation. Fünf Personen, Fondue Chinoise.”

Mann (immer noch konsterniert, blickt auf einen Zettel auf der Bar): “Fünf Personen? Nein, da haben wir keine Reservation.”

Freund 1 (blickt ebenfalls auf den Zettel): “Doch, da steht doch unser Name.”

Mann (genervt): “Sie haben für Käse-Fondue reserviert, gehen sie nach hinten zum Steg durch. Hier sind sie falsch.”

Freund 1 (immer noch höflich): “Nein, haben wir nicht. Da scheint eine Verwechslung vorzuliegen. Wir haben im Zelt für Fondue Chinoise reserviert”.

Mann (fühlt sich nun überhaupt nicht mehr zuständig): “Sprechen Sie mit dem Chef. Der ist ganz hinten am Steg bei der Bar. Gehen sie mal dahin.”

Der Mann dreht sich ab und verschwindet. Nun sind die Freunde konsterniert.

 

Akt 2 – Impertinenz

Die fünf Freunde (nun ebenfalls langsam genervt) schreiten nach ganz hinten und suchen nach dem Chef.

Freund 2 zur vermeintlichen Chefin: “Entschuldigung, da scheint es einen Fehler bei unserer Reservation gegeben zu haben.”

Frau: “Ihr habt Käse-Fondue reserviert.”

Freund 2: “Nein, haben wir nicht. Wir haben Chinoise im Zelt reserviert.”

Frau (zögernd): “Äh. Wir haben hier einen Tisch draussen für euch. Ich muss aber abklären ob wir hier Chinoise servieren können. Wartet mal hier.”

Die Frau verschwindet. Die Freunde warten. Der Mann von vorhin geht schweigend an ihnen vorbei. Auch die Frau. Immer wieder. Nichts geschieht. Zehn Minuten vergehen. Freund 3 wird langsam sehr ungeduldig. Mittlerweile sind 20 Minuten vergangen. Die Frau steht wieder direkt neben ihnen und schaut in ihr Reservationsbuch.

Freund 3 (absichtlich laut, damit die Frau es hört): “An einem anderen Ort hätte man uns wenigstens etwas zu Trinken offeriert, wenn man schon so lange Warten muss.”

Nichts geschieht. Die Frau geht schweigend an den Freunden vorbei.

 

Akt 3 – Glückliche Fügung

Freund 3 (nun sichtlich genervt, ruft im Berner Hof an): “Guten Abend. Bitte entschuldigen sie die ungewöhnliche Frage aber sie hätten nicht zufälligerweise in 10 Minuten einen Tisch für fünf Personen zum Fondue Chinoise frei? Ein anderer Gastrobetrieb scheint uns nicht bewirten zu wollen.”

Freundlicher Mitarbeiter vom Berner Hof (sichtlich amüsiert und herzlich): “Aber sicher, das ist doch gar kein Problem. Sie können sehr gerne zu uns kommen. Wir kriegen das schon irgendwie hin. Sie sind herzlich willkommen.”

Freund 4 schreitet auf die Frau zu, um aus Höflichkeit eine Absage zu erteilen. Diese dreht sich um und bemerkt in diesem Moment, dass sie die wartende Gruppe aber sowas von vollends vergessen hatte.

So schritten die fünf Freunde dann zum nächsten Lokal und assen ein vorzügliches Fondue Chinoise, tranken erlesenen Wein und liessen es sich so richtig gut gehen. So gut hätte es im Rimini gar nie kommen können.

 

Epilog

Und seither erzählen die fünf Freunde all ihren vielen Freunden und Bekannten, wie toll es im Berner Hof war und wie beschissen im Rimini.

Füdlibürger

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Ich bedanke mich beim Beobachter Natur für das aktuelle Fokus-Thema „Der Körper der Schweiz“, Ausgabe vom Mai 2013.

Dank diesem Artikel weiss ich nun, dass man gewisse Schweizer ganz legitim Füdlebürger nennen darf. Denn das Dorf „Füdle“ gibt es tatsächlich. Und wenn ich das nächste Mal jemandem frage, ob er ein „Schnäbeli“ sei, ist dies keine Beleidigung, sondern vielmehr die Vermutung, dass er aus dem Kanton Uri stamme. Viel Spass machen mir auch die Walliser: Dort kann man nämlich selber entscheiden, ob man ein „Chline Arsch“ oder Grosse Arsch“ sein will, je nach Postleitzahl. Es wäre interessant zu wissen, wie sich die Bürger dieser Gemeinde nennen. Das Selbe gilt auch für die “Arschwalder” (?) aus St. Gallen und die “Rotzlöcher” (?) in Nidwalden.

Ob früher in “Frauental” (ZG), “Frauenwald” (SG) und “Frauenholz” (SO) nur Amazonen gewohnt haben, geht aus dem Artikel nicht hervor. Und ob die Gemeinden “Schnauz” und “Lippen” (beide im Kanton Zürich) Nachbarsdörfer sind, leider auch nicht. Wie “Armbrüchli” und “Schweissbrune” im Thurgau zu ihren Namen gekommen sind, will ich jedenfalls lieber nicht wissen.

Aber ich habe mir fest vorgenommen, demnächst zu einem der drei “Hirni” zu wandern. Vielleicht hilfts ja.

Vogelstimmen-Quiz: Wer zwitschert denn da?

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Bild: Marie Emmermann, Skizzomat Studio Berlin, www.skizzomat-diary.de

 

“Erkennen Sie die tapferen Vögel, die den Winter über hier ausharren? Das Zwitscher-Quiz wird Ihre Vorfreude auf den Frühling beflügeln!” – So kürzlich gelesen in einem Onlinebericht.

Meine Vorfreude auf den Frühling? Pah! Man kann sich vorstellen, wie gross meine Freude war, als ich letzthin vom Sonnenaufgang an mit den schrillsten Tönen beschallt wurde. Ich war der festen Überzeugung, dass es sich ein Bataillon Singvögel vor dem Rolladen meines Schlafzimmerfenster bequem gemacht hatte. Nein, eigentlich war ich angesichts der produzierten Töne fast sicher, schamlos kopulierendes Federvieh auf meinem Fensterbrett vorzufinden.

Doch nein, die brünftige Horde sass – mit wohlkalkuliertem Sicherheitsabstand – im nächsten Baum und schrie sich die Seele aus dem Leib.  Rotkehlchen, Meisen, Spatzen und was sonst noch das Ornithologen-Herz höher schlagen lässt, hatte sich da für den ersten Frühlings-Gang-Bang eingefunden. Und nein, die Viecher zwitscherten nicht lieblich vor sich hin. Sie stiessen die absonderlichsten Laute aus ihren kleinen Körpern hervor. Lauter stimmgewaltige Christina-Aguilera-Sperlinge, die wohl zum Frühstück an verdorbenem Vogelfutter genascht hatten und sich im Rausch nun kaum mehr zurückhalten konnten.

Von überall schrie es in mein Zimmer „Ich bin parat! Ich bin sowas von parat! Hört mich jemand? Ich bin voll parat! Jetzt aber Hüüü! Bitte! Denn ich bin doch soooo paraaaaaat!”

Ich war auch parat. Und nahe dran, meine alten Pantoffeln aus dem Fenster zu schmeissen. Im letzten Moment hielt ich aber inne. Denn die frivole Truppe hätte es sich doch einfach darin gemütlich gemacht und meine Plüsch-Finken in eine kuschlige Swinger-Bar umfunktioniert. So weit kommts noch!

Deshalb mein Aufruf an alle felinen Vierbeiner: Liebe Miezekatzen dieser Welt, vereinigt Euch und macht diesem Wahnsinn ein Ende!

Und ich pfeif ab sofort auf den Frühling!

Virale Beziehung

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Liebe Grippe

Es tut mir leid, aber das wird mir langsam alles zuviel. Du erdrückst mich mit Deiner Zuneigung, denn Du hast mir in den letzten Monaten kaum Zeit für mich allein gelassen.
Obwohl mir in Deiner Anwesenheit noch immer heiss und kalt wird und Du meine Augen bei jedem Wiedersehen zum Glänzen bringst: Nun muss Schluss damit sein.

Unsere Wochenenden im Bett müssen ein Ende haben, so geht das nicht weiter. Auch meine Freunde beschweren sich bereits, dass sie mich wegen Dir so selten zu Gesicht bekommen.

Deine ständige Stalkerei ist schädlich für meine Gesundheit. Durch Pretuval liess ich Dir dies bereits mehrfach ausrichten. Ich bitte Dich somit ein allerletztes Mal, mich in Zukunft in Ruhe zu lassen. Gleichzeitig werde ich alle notwendigen Schritte einleiten um zu erwirken, dass Du mir nicht näher als 50 Meter kommen darfst. Echinaforce Protect wird mir dabei beistehen.

Ich bin mir sicher, Du wirst jemand anderen finden.

Madame Malagrippe

ZRH – BKK // BKK – ZRH

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Über die Festtage zog es mich wieder einmal an die Wärme. Fröhlich hüpfte ich in meinen Swiss-Flieger, um Momente später festzustellen, dass es sich wohl um ein Vorgroundingmodell handelte. Beinfreiheit in der Holzklasse verschwindend klein, glücklicherweise aber mit selber anwählbaren Inflight-Entertainment-System. So meinte ich jedenfalls. Nachdem mein Bildschirm auch 15 Minuten nach dem Start schwarz blieb, erlaubte ich mir, die Stewardess, äh, Hostesse, äh Flight Attendant, darauf anzusprechen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie altersbedingt an Schwerhörigkeit litt oder mich einfach nur ignorierte. Jedenfalls bekam ich keine Antwort. Brüskiert über ein solches Verhalten bei der Swiss, sprach ich sie beim nächsten Durchgang nochmals lauter darauf an. Ein Genörgel erster Klasse: Ich wies sie darauf hin, dass die Platzverhältnisse in diesem Flieger katastrophal seien (ganz anders als bei Thai Airways). Was sie mit einem schnippischen „Ich weiss nicht, wie es bei anderen Airlines ist.“ quittierte. Bitch, are you serious? Doch dann kam ich zu meinem Hauptanliegen: wann denn nun endlich das Entertainment-System gestartet werde. Darauf wusste sie leider keine Antwort, der Pilot werde aber informieren. Mir schwante Böses und so war es auch: Auf Grund technischer Probleme benötigte das System einen Neustart. Und das tat es dann auch. Ausgiebig. Die nächsten zehn Stunden lang.

So war ich umso erfreuter festzustellen, dass mein Rückflug zwei Wochen später durch Thai Airways ausgeführt wurde. Der Abstand zum Sitznachbarn war grösser. Ich war erfreut. Nur leider verunmöglichte die Entertainment-Box unter dem Sitz des Vordermannes ein anständiges Strecken der Beine. Dafür lief das System einwandfrei. Ungefähr eine halbe Stunde lang. Und dann, ja dann, traten technische Probleme auf. Wohl die Selben, wie bei der Swiss. Karma?

Ich wünschte wirklich, ich hätte Pam Ann mit an Bord gehabt.

Karl the Cool

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Schwer vorzustellen aber ich glaube, Herr Lagerfeld ist mein Seelenverwandter. Manchmal spricht er mir nämlich aus der Seele:

“Kinder reden doch immer Stuss. Deshalb hasste ich als Kind andere Kinder. Ich spielte nie mit Gleichaltrigen, fand mich selbst total doof. Klein zu sein, empfand ich als die größte Zeitverschwendung im meinen Leben.”

“Ich gebe allen Kindern, die ich treffe, denselben Rat, den ich als Kind bekommen habe: Entweder du machst auf erwachsen oder du hältst den Mund.”

“Meine Schwester verstand es sehr gut, die Kühe zu melken. Sie durfte es auch, ich nicht. Ich fühlte mich deshalb benachteiligt. Natürlich sprechen wir heute noch miteinander. Meine Schwester ist ein Engel, eine Heilige. Ich bin ganz das Gegenteil von ihr: Faul und egoistisch. Aber sie lebt in Amerika, das ist wie auf einem anderen Planeten. Dort ist sie total untergegangen. Sie will ihren Mann nicht einen einzigen Tag im Leben allein lassen, sie hat ganz reizende, nette Kinder.”

“Was ich sage, ist nur gültig, wenn ich es gerade gesagt habe. (…) Nehmen Sie das, was ich sage, bitte nicht so ernst. Wenn ich jetzt etwas sage, kann ich mich vielleicht morgen daran nicht mehr erinnern. Morgen bin ich schon ein ganz anderer Mensch.”

“Ich habe mir nie besonders viele Gedanken über die Entwürfe gemacht. Sie flossen mir aus der Hand. Ich stand nie unter Druck. Stress – kenne ich auch nicht. Ich kenne nur Strass. Ich bin in der Modebranche.”

“Wie man nachts gut schläft, hat mir meine Mutter schon als Kind beigebracht: Die ganze Welt muss einem egal sein. Dann schläft man sehr gut.”

“Ich halte mich wirklich nicht für ein Genie. Ich finde sogar, unter uns gesagt, ich hätte viel mehr aus mir machen können. (…)  Das hat schon meine Mutter gesagt.  Um sie zu zitieren: Du hättest mehr aus dir machen können, aber bei deinem Mangel an Ehrgeiz ist es schon okay, was du geschafft hast.”

Auf den Geschmack gekommen? Dann empfehle ich Breuninger? Kenn ich nicht.

PETA vs. Madame Maladroite

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Ich habe eine neue Leidenschaft. Sie heisst Barts. Fragezeichen? Dann geht husch auf barts.eu (aber Achtung: es besteht akutes Suchtpotential). Jedenfalls machen die, meiner Meinung nach, die wunderschönsten Kopfbedeckungen für kalte Wintertage. Und auch der Rest ist ziemlich cool. Angefixt wurde ich durch ein zauberhaftes Strick-Beanie mit applizierten zarten goldenen Schmetterlingen. Für dieses Teil habe ich den letzten Wochen ungelogen über ein dutzend Komplimente von Frauen erhalten. Es ist aber auch ganz entzückend. Den Herren der Schöpfung scheint dies wiederum bislang entgangen zu sein.

Anders bei meinem gestern erstandenen neuen Lieblings-Barts-Stück. Ich sah es bereits von weitem und dachte mir “Nein jö, ist es tatsächlich das, wofür ich es halte?”. Und so war es: ein kombinierter Hoodie-Schal aus flauschigem beigen Kunstpelz. Ich stülpte es mir zur Anprobe über den Kopf und wusste sofort: Du bist meins!

Voller Freude kuschelte ich mich heute Morgen also in meine Fellkapuze und schritt fröhlich und mit der Anmut einer russischen Zarin zum Tram. Dort warf mir eine junge Dame bereits den ersten (vermeintlich) bewundernden Blick zu. Ich fühlte mich sofort bestätigt und gratulierte mir zu meinem tollen Kauf. Bis ich dann im vollen Tram Platz nahm. Und mich plötzlich alle Leute anzustarren schienen. Frauen, Männer, Jung und Alt. Anfangs dachte ich noch, die Leute würden sich mit mir über meine tolle Kopfbedeckung freuen. Die Mienen sprachen aber irgendwie andere Bände.

Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Mein geliebtes Fellmützenkragending sah wirklich gut aus. Zu gut. Wie Echtpelz halt. Und obwohl man meinen sollte, dass dies in Zürich nun wirklich niemanden mehr düpieren könne, so sieht die Realität anders aus. Am Paradeplatz (wie sinnig) setzte sich dann eine ältere Dame (auf den bis dahin leergeblieben Platz im vollen Tram) neben mich und verkündete laut: „Ja, sie müssen aber schön warm haben unter ihrer Kapuze, da bin gleich etwas neidisch, Sie!“ Mein Herz machte einen Sprung und aus mir sprudelte voller Stolz „Ja, ganz toll, erst gestern gekauft!“ Und da wir jetzt die Aufmerksamkeit aller Fahrgäste hatten, fügte ich laut hinzu: „Und das obwohl es KUNSTPELZ ist!“ Sie: „Nein wirklich? Ich habe also gedacht, der wäre echt!“ Auf diesen Steilpass hin blieb mir nichts anderes übrig als „JA, SO WIE ALL DIE ANDEREN HIER DRIN, DIE MICH AM LIEBSTEN MIT FARBBEUTEL BEWERFEN WÜRDEN!!!“ ins Tram zu brüllen. Und gleich bei der nächsten Haltestelle das Weite zu suchen.

Und wenn ich weitere Diffamierungen über mich ergehen lassen muss. Das Teil bleibt!

Million Dollar Nonsens

Ich bin ein bekennender Fan von Trash-TV. Vor allem Casting-Formate haben es mir angetan. So hab ich mich sehr darüber gefreut, dass ich gestern Zeit fand, mir Bar Refaelis neue Show „Million Dollar Shootingstar“ anzusehen. Die besagte Show, welche nach Heidi Klums persönlicher Intervention von „ihrem“ Sendeplatz auf Pro7 nach Sat1 verlegt werden musste. Meine Erwartungen waren somit hoch: Ein echtes Topmodel als Host, international erfahrene Models als Teilnehmer. Grandiose Schauplätze als Shooting-Location.

Und dann das.

Bar scheint mir ja eine sympathische Person zu sein, dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass man ihr etwas in Wasser getan hatte (einen Cocktail von Xanax und Extasy um genau zu sein). Und dann Peyman, den ich als Co-Juror bei Heidi ja noch irgendwie okay fand, hier aber zur absoluten Schiessbudenfigur mutiert. Oder was soll ich sonst von einem „internationalen Modelagenten“ halten, der schlechte Witze über sein noch schlechteres Englisch reisst?

Und dann der Gipfel: Die international erfolgreichen Models. Muahahaha. Da gibt es die Alten (entschuldigung, aber jenseits Mitte Zwanzig ist für ein Model nun mal einfach methusalemisch), die Katalog-Models (vornehmlich Dessous, was auch alle gerne verkünden) und die Billigen (oder was bitte hat Amy, das „Rock-Model“, mit Silikonhupen und Earplugs da zu suchen? Die kann dann leider beim Shooting auch nur Duck-Face machen, was Bar natürlich sofort auffällt).

Und dann gibt es da noch ein alterndes Model, welches bislang im Hotel gewohnt hat und sich alles kauft, was es haben will. Am Nachmittag lästert sie noch darüber, wie unprofessionell die anderen wären. Das Shooting im Toten Meer macht sie dann aber nicht mit: zu anstrengend. Bei der Aussprache mit Bar geht die 28-jährige in Tränen auf und schluchzt, dass sie wohl nun wegen ihrem Alter am Ende ihrer Karriere angelangt ist. Bar nimmt sie peinlich berührt in den Arm und denkt sich wohl „welche Karriere?“. Und ich denk mir: „Von was konnte die es sich leisten, im Hotel zu wohnen? Reicher Papa?“.

Zum Glück gibt es da noch die Quoten-Exotin mit dem androgynen Look und Tattoos, welche von sich sagt, dass sie keinen Sport mache, Alkohol liebe und manchmal auch betrunken auf dem Set erscheint. Bar ist begeistert von ihrem „Editorial“-Look, möchte aber beim Shooting unbedingt ihre sanfte Seite sehen. Bei der Urteilsverkündung wird dann aber doch ein sehr maskulines und hartes Bild ausgewählt. Sogar das Model ist überrascht.

Fazit: Die Frauen können pro Folge 100’000.- gewinnen, was in Anbetracht der Aufmachung und dem Unterhaltungswert der Sendung – von der Qualität der Models ganz zu schweigen – vööööllig überzahlt ist.

Und doch werde ich das nächste Mal wohl wieder einschalten. Obwohl ich ehrlich sagen muss: So hohl ich die Klum auch finde, irgendwie ist es doch unterhaltsamer, Model-Anfängerinnen mit ihren High-Heels herumstolpern zu sehen, als Möchtegern-Profimodels zuzuhören, welche über ihre vermeintliche Erfahrung berichten.

Schliifts…?

Es war einmal ein Mädchen, das lernte einen Jungen kennen. Wie sich später herausstellte, muss das Mädchen zu diesem Zeitpunkt unglaublich betrunken gewesen sein. Denn sie gab ihm ihre Nummer. Ein Fehler. Aber alles der Reihe nach:

Nach einer heiteren durchzechten Nacht in einem Kanton fern von Zürich, piepste also des Mädchens Handy und vermeldete einen fröhlichen Gruss des Jungen. Ihr Kopf schmerzte zwar noch arg aber ja, sie erinnerte sich an ein längeres Gespräch. Kribbeln im Bauch stellte ich aber keines ein. Da beging sie einen weiteren Fehler: Anstatt die Nachricht zu ignorieren, sendete sie anstandshalber eine höfliche Nachricht zurück. Prompt piepste das Handy wieder: wie es denn geht und ob man sich wieder treffen möchte, wollte der Junge wissen. Da es tatsächlich noch nicht so gut ging, legte sie das Handy erst mal weg und vergass die Nachricht. Bis einen Tag später die nächste kam: zufälligerweise sei man eben in Zürich und ob sie spontan Zeit hätte. Hatte sie nicht. Doch der Junge liess nicht locker und schrieb ihr weiterhin jeden Tag eine Nachricht. Und manchmal sogar zwei. Und da beging sie den dritten Fehler. Sie gab ihm eine Chance.

Das Date. Ihr Lieben, lasst Euch etwas sagen. Es ist keine gute Idee, den Beruf des Gegenübers offen als “Seich” zu bezeichnen und die Vorzüges des eigenen zu betonen. Auch die Themen Verschuldung und Autos sind nicht optimal. Vor allem wenn man einen Monolog darüber hält. Und suboptimal ist auch die Aussage, dass man gar nicht verstehe, wie man in Zürich leben könne (zu teuer, zu unfreundlich, zu möchtegern), das gehe ja wohl gar nicht. Tja, das Mädchen versuchte erst, eine Lanze für ihren schönen Beruf zu brechen, dann beim Thema Auto einigermassen sinnvolle Beiträge zu leisten (die damit quittiert wurden, dass man ihr harsch ins Wort fiel) und auch für Zürich ein gutes Wort einzulegen. Und dann hatte sie es irgendwann satt, nett zu sein und fragte den Jungen unverblümt, wann denn sein Zug in sein achso viel schöneres Daheim fährt.

Da er tatsächlich völlig die Zeit vergessen hatte, kam der Aufbrauch abrupt. Die Verabschiedung gestaltete sich im Sinne des Mädchens: kurz, knapp und wenig herzlich. Mit einem befreiten Seufzer schritt sie zum Tram, dass sie in ihre völlig überzahlte Wohnung im schrecklichen Zürich bringen sollte. Da piepste das Handy. Völlig ungläubig blickte sie auf eine euphorische SMS des Jungen. Der Abend wäre ja so meeeeega gewesen und er freue sich totaal darauf, sie bald wieder zu sehen. Wie bitte? Das Wenige, dass er über sie erfuhr, hatte er schlecht gemacht und ihre gelangweilte Miene waren ihm nicht aufgefallen? Das war auch dem sonst höflichen Mädchen zu viel und sie beschloss, darauf nicht zu reagieren.

Am nächsten Tag piepste das Handy. Man wäre per Zufall in Zürich und es wäre schön, wenn er spontan vorbeikommen könne. Das Mädchen war perplex und es beschloss, deutlich zu werden. Nein, es hätte keine Zeit und die Agenda lasse auch in Zukunft keine weiteren Treffen zu. Ja, sie versuchte (leider) diplomatisch zu bleiben. Wohl noch ein Fehler, denn natürlich trafen in den nächsten Tagen regelmässig neue Nachrichten ein. Und irgendwann wurde es sogar dem höflichen Mädchen zu bunt und sie schrieb eine (vermeintlich) klare Nachricht: Sie hätte momentan andere Prioritäten wie ihn und wünsche ihm alles Gute. Oder übersetzt “Leave me the fuck alone”.

Das Handy piepte kurze Zeit später: Er hätte dafür volles Verständnis dafür und es wäre schön, wenn man sich bald wieder sehe… Sie ignorierte die Nachricht, darin hatte sie ja langsam Übung. Am nächsten Tag erreichte sie eine Facebook-Friendship-Anfrage. Dabei hatte sie ihm nicht mal ihren Nachnamen verraten. Sag mal, schliifts dem Depp???

Lieber Leser, deshalb hätte ich nun gerne Dein Meinung. Was meinst Du: Soll ich ihn einfach weiter ignorieren oder ihm doch besser gleich den Link zu diesem Text schicken?