Schliifts…?

Es war einmal ein Mädchen, das lernte einen Jungen kennen. Wie sich später herausstellte, muss das Mädchen zu diesem Zeitpunkt unglaublich betrunken gewesen sein. Denn sie gab ihm ihre Nummer. Ein Fehler. Aber alles der Reihe nach:

Nach einer heiteren durchzechten Nacht in einem Kanton fern von Zürich, piepste also des Mädchens Handy und vermeldete einen fröhlichen Gruss des Jungen. Ihr Kopf schmerzte zwar noch arg aber ja, sie erinnerte sich an ein längeres Gespräch. Kribbeln im Bauch stellte ich aber keines ein. Da beging sie einen weiteren Fehler: Anstatt die Nachricht zu ignorieren, sendete sie anstandshalber eine höfliche Nachricht zurück. Prompt piepste das Handy wieder: wie es denn geht und ob man sich wieder treffen möchte, wollte der Junge wissen. Da es tatsächlich noch nicht so gut ging, legte sie das Handy erst mal weg und vergass die Nachricht. Bis einen Tag später die nächste kam: zufälligerweise sei man eben in Zürich und ob sie spontan Zeit hätte. Hatte sie nicht. Doch der Junge liess nicht locker und schrieb ihr weiterhin jeden Tag eine Nachricht. Und manchmal sogar zwei. Und da beging sie den dritten Fehler. Sie gab ihm eine Chance.

Das Date. Ihr Lieben, lasst Euch etwas sagen. Es ist keine gute Idee, den Beruf des Gegenübers offen als “Seich” zu bezeichnen und die Vorzüges des eigenen zu betonen. Auch die Themen Verschuldung und Autos sind nicht optimal. Vor allem wenn man einen Monolog darüber hält. Und suboptimal ist auch die Aussage, dass man gar nicht verstehe, wie man in Zürich leben könne (zu teuer, zu unfreundlich, zu möchtegern), das gehe ja wohl gar nicht. Tja, das Mädchen versuchte erst, eine Lanze für ihren schönen Beruf zu brechen, dann beim Thema Auto einigermassen sinnvolle Beiträge zu leisten (die damit quittiert wurden, dass man ihr harsch ins Wort fiel) und auch für Zürich ein gutes Wort einzulegen. Und dann hatte sie es irgendwann satt, nett zu sein und fragte den Jungen unverblümt, wann denn sein Zug in sein achso viel schöneres Daheim fährt.

Da er tatsächlich völlig die Zeit vergessen hatte, kam der Aufbrauch abrupt. Die Verabschiedung gestaltete sich im Sinne des Mädchens: kurz, knapp und wenig herzlich. Mit einem befreiten Seufzer schritt sie zum Tram, dass sie in ihre völlig überzahlte Wohnung im schrecklichen Zürich bringen sollte. Da piepste das Handy. Völlig ungläubig blickte sie auf eine euphorische SMS des Jungen. Der Abend wäre ja so meeeeega gewesen und er freue sich totaal darauf, sie bald wieder zu sehen. Wie bitte? Das Wenige, dass er über sie erfuhr, hatte er schlecht gemacht und ihre gelangweilte Miene waren ihm nicht aufgefallen? Das war auch dem sonst höflichen Mädchen zu viel und sie beschloss, darauf nicht zu reagieren.

Am nächsten Tag piepste das Handy. Man wäre per Zufall in Zürich und es wäre schön, wenn er spontan vorbeikommen könne. Das Mädchen war perplex und es beschloss, deutlich zu werden. Nein, es hätte keine Zeit und die Agenda lasse auch in Zukunft keine weiteren Treffen zu. Ja, sie versuchte (leider) diplomatisch zu bleiben. Wohl noch ein Fehler, denn natürlich trafen in den nächsten Tagen regelmässig neue Nachrichten ein. Und irgendwann wurde es sogar dem höflichen Mädchen zu bunt und sie schrieb eine (vermeintlich) klare Nachricht: Sie hätte momentan andere Prioritäten wie ihn und wünsche ihm alles Gute. Oder übersetzt “Leave me the fuck alone”.

Das Handy piepte kurze Zeit später: Er hätte dafür volles Verständnis dafür und es wäre schön, wenn man sich bald wieder sehe… Sie ignorierte die Nachricht, darin hatte sie ja langsam Übung. Am nächsten Tag erreichte sie eine Facebook-Friendship-Anfrage. Dabei hatte sie ihm nicht mal ihren Nachnamen verraten. Sag mal, schliifts dem Depp???

Lieber Leser, deshalb hätte ich nun gerne Dein Meinung. Was meinst Du: Soll ich ihn einfach weiter ignorieren oder ihm doch besser gleich den Link zu diesem Text schicken?

Jeremy-Pascal? Nein danke.

Liebe S.

Ich könnte das gar nicht schöner schreiben als Du. Deshalb habe ich mir erlaubt, Dein Mail gleich hier zu integrieren. Ich hab mich nämlich köstlich amüsiert:

Ahoi my dear

Falls du mal nicht weisst über was du schreiben sollst, schreib doch einfach über Mütter, die Nicht-Mütter diskriminieren.
War gestern umzingelt von dieser Gattung und weiss nun, dass mein Leben ohne Mann und Kind keinen Sinn macht und ich nichts anderes als ein einsamer Mensch bin. Und dies wurde mir von einer Dame näher gebracht, die ihre Söhne Jamy (mit Y wohlgemerkt, nicht ie) und Jaden (wahrscheinlich auch mit Y) nennt.
 
Ach und mir wurde übrigens empfohlen, mich doch künstlich befruchten zu lassen, falls ich keinen Mann finde. Aber mit 32 soll ich mir noch keine Gedanken machen. Es gibt heutzutage auch NOCH ältere Frauen die Kinder kriegen. *lach* das hat mich sehr  beruhigt.

Meine Liebe, happy weekend und bis gli

S.