Gastronomie für Anfänger.

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Bild: http://www.bernerhof-zuerich.ch

 

Ein Drama in drei Akten.

 

Akt 1 – Ignoranz

Auftritt der fünf Freunde. Sie schreiten durch den Vorhang auf die Bar im Rimini-Zelt zu. Und werden ignoriert. Sie versuchen Blickkontakt herzustellen. Der Mann hinter der Theke ignoriert sie weiterhin. Der Mann kommt hinter der Theke hervor. Und geht an den Freunden vorbei. Schweigend.

Der Mann kommt zurück. Einer der Freunde stellt sich dem Mann couragiert in den Weg. Der Mann scheint konsterniert.

Freund 1: “Guten Abend, wir haben eine Reservation. Fünf Personen, Fondue Chinoise.”

Mann (immer noch konsterniert, blickt auf einen Zettel auf der Bar): “Fünf Personen? Nein, da haben wir keine Reservation.”

Freund 1 (blickt ebenfalls auf den Zettel): “Doch, da steht doch unser Name.”

Mann (genervt): “Sie haben für Käse-Fondue reserviert, gehen sie nach hinten zum Steg durch. Hier sind sie falsch.”

Freund 1 (immer noch höflich): “Nein, haben wir nicht. Da scheint eine Verwechslung vorzuliegen. Wir haben im Zelt für Fondue Chinoise reserviert”.

Mann (fühlt sich nun überhaupt nicht mehr zuständig): “Sprechen Sie mit dem Chef. Der ist ganz hinten am Steg bei der Bar. Gehen sie mal dahin.”

Der Mann dreht sich ab und verschwindet. Nun sind die Freunde konsterniert.

 

Akt 2 – Impertinenz

Die fünf Freunde (nun ebenfalls langsam genervt) schreiten nach ganz hinten und suchen nach dem Chef.

Freund 2 zur vermeintlichen Chefin: “Entschuldigung, da scheint es einen Fehler bei unserer Reservation gegeben zu haben.”

Frau: “Ihr habt Käse-Fondue reserviert.”

Freund 2: “Nein, haben wir nicht. Wir haben Chinoise im Zelt reserviert.”

Frau (zögernd): “Äh. Wir haben hier einen Tisch draussen für euch. Ich muss aber abklären ob wir hier Chinoise servieren können. Wartet mal hier.”

Die Frau verschwindet. Die Freunde warten. Der Mann von vorhin geht schweigend an ihnen vorbei. Auch die Frau. Immer wieder. Nichts geschieht. Zehn Minuten vergehen. Freund 3 wird langsam sehr ungeduldig. Mittlerweile sind 20 Minuten vergangen. Die Frau steht wieder direkt neben ihnen und schaut in ihr Reservationsbuch.

Freund 3 (absichtlich laut, damit die Frau es hört): “An einem anderen Ort hätte man uns wenigstens etwas zu Trinken offeriert, wenn man schon so lange Warten muss.”

Nichts geschieht. Die Frau geht schweigend an den Freunden vorbei.

 

Akt 3 – Glückliche Fügung

Freund 3 (nun sichtlich genervt, ruft im Berner Hof an): “Guten Abend. Bitte entschuldigen sie die ungewöhnliche Frage aber sie hätten nicht zufälligerweise in 10 Minuten einen Tisch für fünf Personen zum Fondue Chinoise frei? Ein anderer Gastrobetrieb scheint uns nicht bewirten zu wollen.”

Freundlicher Mitarbeiter vom Berner Hof (sichtlich amüsiert und herzlich): “Aber sicher, das ist doch gar kein Problem. Sie können sehr gerne zu uns kommen. Wir kriegen das schon irgendwie hin. Sie sind herzlich willkommen.”

Freund 4 schreitet auf die Frau zu, um aus Höflichkeit eine Absage zu erteilen. Diese dreht sich um und bemerkt in diesem Moment, dass sie die wartende Gruppe aber sowas von vollends vergessen hatte.

So schritten die fünf Freunde dann zum nächsten Lokal und assen ein vorzügliches Fondue Chinoise, tranken erlesenen Wein und liessen es sich so richtig gut gehen. So gut hätte es im Rimini gar nie kommen können.

 

Epilog

Und seither erzählen die fünf Freunde all ihren vielen Freunden und Bekannten, wie toll es im Berner Hof war und wie beschissen im Rimini.

Schliifts…?

Es war einmal ein Mädchen, das lernte einen Jungen kennen. Wie sich später herausstellte, muss das Mädchen zu diesem Zeitpunkt unglaublich betrunken gewesen sein. Denn sie gab ihm ihre Nummer. Ein Fehler. Aber alles der Reihe nach:

Nach einer heiteren durchzechten Nacht in einem Kanton fern von Zürich, piepste also des Mädchens Handy und vermeldete einen fröhlichen Gruss des Jungen. Ihr Kopf schmerzte zwar noch arg aber ja, sie erinnerte sich an ein längeres Gespräch. Kribbeln im Bauch stellte ich aber keines ein. Da beging sie einen weiteren Fehler: Anstatt die Nachricht zu ignorieren, sendete sie anstandshalber eine höfliche Nachricht zurück. Prompt piepste das Handy wieder: wie es denn geht und ob man sich wieder treffen möchte, wollte der Junge wissen. Da es tatsächlich noch nicht so gut ging, legte sie das Handy erst mal weg und vergass die Nachricht. Bis einen Tag später die nächste kam: zufälligerweise sei man eben in Zürich und ob sie spontan Zeit hätte. Hatte sie nicht. Doch der Junge liess nicht locker und schrieb ihr weiterhin jeden Tag eine Nachricht. Und manchmal sogar zwei. Und da beging sie den dritten Fehler. Sie gab ihm eine Chance.

Das Date. Ihr Lieben, lasst Euch etwas sagen. Es ist keine gute Idee, den Beruf des Gegenübers offen als “Seich” zu bezeichnen und die Vorzüges des eigenen zu betonen. Auch die Themen Verschuldung und Autos sind nicht optimal. Vor allem wenn man einen Monolog darüber hält. Und suboptimal ist auch die Aussage, dass man gar nicht verstehe, wie man in Zürich leben könne (zu teuer, zu unfreundlich, zu möchtegern), das gehe ja wohl gar nicht. Tja, das Mädchen versuchte erst, eine Lanze für ihren schönen Beruf zu brechen, dann beim Thema Auto einigermassen sinnvolle Beiträge zu leisten (die damit quittiert wurden, dass man ihr harsch ins Wort fiel) und auch für Zürich ein gutes Wort einzulegen. Und dann hatte sie es irgendwann satt, nett zu sein und fragte den Jungen unverblümt, wann denn sein Zug in sein achso viel schöneres Daheim fährt.

Da er tatsächlich völlig die Zeit vergessen hatte, kam der Aufbrauch abrupt. Die Verabschiedung gestaltete sich im Sinne des Mädchens: kurz, knapp und wenig herzlich. Mit einem befreiten Seufzer schritt sie zum Tram, dass sie in ihre völlig überzahlte Wohnung im schrecklichen Zürich bringen sollte. Da piepste das Handy. Völlig ungläubig blickte sie auf eine euphorische SMS des Jungen. Der Abend wäre ja so meeeeega gewesen und er freue sich totaal darauf, sie bald wieder zu sehen. Wie bitte? Das Wenige, dass er über sie erfuhr, hatte er schlecht gemacht und ihre gelangweilte Miene waren ihm nicht aufgefallen? Das war auch dem sonst höflichen Mädchen zu viel und sie beschloss, darauf nicht zu reagieren.

Am nächsten Tag piepste das Handy. Man wäre per Zufall in Zürich und es wäre schön, wenn er spontan vorbeikommen könne. Das Mädchen war perplex und es beschloss, deutlich zu werden. Nein, es hätte keine Zeit und die Agenda lasse auch in Zukunft keine weiteren Treffen zu. Ja, sie versuchte (leider) diplomatisch zu bleiben. Wohl noch ein Fehler, denn natürlich trafen in den nächsten Tagen regelmässig neue Nachrichten ein. Und irgendwann wurde es sogar dem höflichen Mädchen zu bunt und sie schrieb eine (vermeintlich) klare Nachricht: Sie hätte momentan andere Prioritäten wie ihn und wünsche ihm alles Gute. Oder übersetzt “Leave me the fuck alone”.

Das Handy piepte kurze Zeit später: Er hätte dafür volles Verständnis dafür und es wäre schön, wenn man sich bald wieder sehe… Sie ignorierte die Nachricht, darin hatte sie ja langsam Übung. Am nächsten Tag erreichte sie eine Facebook-Friendship-Anfrage. Dabei hatte sie ihm nicht mal ihren Nachnamen verraten. Sag mal, schliifts dem Depp???

Lieber Leser, deshalb hätte ich nun gerne Dein Meinung. Was meinst Du: Soll ich ihn einfach weiter ignorieren oder ihm doch besser gleich den Link zu diesem Text schicken?